Der diesjährige vom Winde verwehte Sommer kürt unseren eher beleidigt solo stehenden Strandkorb zum Sieger. Anstatt bislang überwiegend als maritime Garten-Deko sein Dasein zu fristen, wird er in diesem Jahr zur windschützenden Begehrlichkeit der Gäste erhoben. Tja, da beginnt dann sein Dilemma: ein Zweisitzer fasst – schon gar nicht im Abstandsjahr 2021 – gleichzeitig vier Quartiersgäste. Gott sei Dank haben unsere Urlauber weltmännisch/weltfraulich über den Arnisser...

Tatsächlich: Kraniche... also grammatisch korrekt: Kräne auf der Straße und auf dem Wasser (im Allgemeinen bekannt als sog. „Amphibienfahrzeuge“)!

So, jetzt befinden wir uns also alle wieder im gewohnten Urlaubsmodus, der die Unausgeglichenheit des regulären Alltagslebens auffangen sollte: Gäste herzlich Willkommen! „Quartierbesetzungen“ konkurrieren allerdings mit „Bankbesetzungen“, fragt sich bloß, wer hier die Kraftprobe aussitzt: die Pflanze oder der Mensch? Mich persönlich tangiert diese Problematik nicht, denn wer einen Garten sein Eigen nennt, sitzt üblicherweise nicht da drinnen, sondern bewegt sich in gebückter...

„Der Mai ist gegangen, die Wolken schlugen aus....“, tja ein gefühlter Herbstmonat liegt hinter uns, so dass selbst die nordisch abgehärteten Gartenblumen erschrocken die Blüten einzogen, um ängstlich Gewitterdonner & Co. über sich ergehen zu lassen. Donnergrollen auch im Arnisser Rathaus: Die amtierende Bürgermeisterin wird uns untreu und zieht nach Grödersby und ist damit für unser Städtchen verloren. Nachdem für zwei Jahre die Frauenquote erfüllt war, stehen (vielleicht)...

Neubürger in Arnis: Luca... also eigentlich: Luca-App (der Trend geht zum Doppelnamen). Wir hier in der kleinsten Stadt Deutschlands also mittenmang der „Modellregion“! Die Verwaltungswogen schlagen hoch: Wie bekommen wir unsere Gäste heil in unsere Region, aber auch wieder raus? Wie bleiben wir selbst verschont? Fragen über Fragen, aber auch Antworten.

Ich denke da an explodierende Knospen im Garten, meine derzeitigen Handwerker eher an Fußböden und Wände. Statt Blütenstaub also Zementschleier und Schmutzablagerung durch Fliesenflexerei.

Eisiger Februar 2021„...endlich mal wieder“, frohlocken lebensmüde Schlittschuhfahrer auf dem zugefrorenen Arnisser Noor. „Mist, die letzten Winter waren doch heiß wie auf Malle“, grummeln die Schiffseigner, die optimistisch ihre Boote in der Schlei angetäut liegen gelassen haben und jetzt mit zusammengekniffenen Augen misstrauisch das Treibeis beäugen.

Ein Wechselbad der strapazierten Gefühle: Inzidenzwerte hoch, Inzidenzwerte runter, Hoffnung am Horizont, Negativgedanken auf dem Sofa, Niedrigwasser in der Schlei, Hochwasser in der Schlei, Windstille, Sturm, Gewichtsverlust, Gewichtszunahme.... ...nie hätte ich vermutet, dass ein Januar so anstrengend, aber auch abwechslungsreich sein kann. Naja, weniger in Form von Aktivitäten als in Form von Beobachtungen.

„Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus...“ naja, der Lyriker Joseph von Eichendorff hätte zwar in Arnis vergeblich nach dem Markt gesucht, aber die anderen Fakten treffen immerhin zu. Ich nehme Sie mit auf einen Spaziergang durch unser weihnachtliches Städtchen:

„Arnis first“... zumindest in der „7-Tage-Inzidenz-Corona-Statistik“. Nur zum Verständnis: Wert nicht nach oben, sondern nach unten! Wahnsinn, die kleinste Stadt Deutschlands, die kleinsten Werte im Kreis Schleswig-Flensburg (=10,4)! Und nein, wir sind nicht stolz darauf, wollen keine Sonderregelungen, sondern sind uns einig in Solidarität, Dankbarkeit und würden uns freuen, wenn wir alle Menschen mit in dieses Boot holen dürften. Brav nehmen die hiesigen „60 plus“ am angeboten...

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