„Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus...“ naja, der Lyriker Joseph von Eichendorff hätte zwar in Arnis vergeblich nach dem Markt gesucht, aber die anderen Fakten treffen immerhin zu. Ich nehme Sie mit auf einen Spaziergang durch unser weihnachtliches Städtchen:

„Arnis first“... zumindest in der „7-Tage-Inzidenz-Corona-Statistik“. Nur zum Verständnis: Wert nicht nach oben, sondern nach unten! Wahnsinn, die kleinste Stadt Deutschlands, die kleinsten Werte im Kreis Schleswig-Flensburg (=10,4)! Und nein, wir sind nicht stolz darauf, wollen keine Sonderregelungen, sondern sind uns einig in Solidarität, Dankbarkeit und würden uns freuen, wenn wir alle Menschen mit in dieses Boot holen dürften. Brav nehmen die hiesigen „60 plus“ am angeboten...

Die Blätter fallen. In der Langen Straße voraussichtlich das letzte Mal, bevor angeblich im kommenden Februar den Linden die Köpfe rasiert werden. Dann dürfen sich die Anwohner von ihrem Extremsport „Blätterfegen“ ein Jahr lang erholen. Auch die Hauswände und Fenster erholen sich, nachdem sie bereits seit zwei Jahren von schlagenden Ästen malträtiert worden sind. Vernunft siegt über natürliche Schönheit... keine Angst, erfahrungsgemäß holt die Natur schneller auf, als dem...

Puh, 281 Einwohner verzeichnet Arnis derzeit, aber eine gefühlte doppelte Anzahl von Touristen! Der vorgelagerte öffentliche Parkplatz rappelvoll. Corona und Port Olpenitz zeigen Wirkung, eingeschränkte Reiseziele bescheren Arnis erhöhte Aufmerksamkeit und da sich der jeweilige Architekt in Olpenitz offenbar bemüht hat, einen harmonischen Gesamteindruck zu vermeiden, genießen die Menschen um so mehr unser romantisches Städtchen. Der gesendete Schleifilm im HR 3 vom 11.09.2020 setzt...

In memoriam an „Musik am Noor“, 9 Jahre an jedem zweiten Augustwochenende (begraben seit 2020), wurde flugs dank kreativer Feriengäste die Idee „Schleimusik Domizil Luth“ geboren und zeitgleich in die Tat umgesetzt. Im Garten bei strahlendem Wetter, im coronafreundlichen Tischabstand und unter angemessener Deko genossen alle das in Teamwork fabrizierte kalte Buffet, den heißen Grill und fetzige Musik von der Boombox. Highlight war ein von der Jugend hergestellter Button, den sich...

„Urlaub ist in Arnis mit Abstand am besten“, verkündete mein neuer Feriengast, der sich von seinem „Aida“-Traum verabschiedet hat... naja, zumindest erst einmal für 2020. Die hiesige politische Obrigkeit unterstützt diese Aussage und erzieht mit sog. Hotspots ihre Bürger und die eingetrudelte Gästeschar. Statt Erziehungsgeld gibt es Sachkostenerstattung, so dass Sprayer und Plakatierer endlich legitim in Aktion treten können.

„In der heutigen technologiegetriebenen Welt benutzen Krieger anstelle von Schwertern Tastaturen“, behauptet jedenfalls der EU-Außenkommissar. Naja, ich benutze die Tipperei eher als Entspannung und somit für den Monats-Blog: Dieses Jahr enden Kreuzfahrten in Arnis. Mehrere Gästepartien haben diese aufregende Urlaubsvariante – mehr oder minder gewollt – gewählt. Statt Kultur und „Büfett satt“ jetzt Beobachtung der hiesigen, artenreichen Vogelwelt.

Die Arnisser – sturmerprobt – schlagen sich wacker durch die Corona-Fluten. Statt Kuschelfox wurde mit Abstand in den Mai getanzt, am Strand sich in gebotener Entfernung gegen den Wind gestemmt. Belohnung für ihr gewissenhaftes Verhalten dokumentiert die Presse der hiesigen Region mit Null diagnostizierten Covid-19-Fällen in Arnis. Beifall dazu gibt es vom Klatschmohn aus dem Garten der Langen Straße 32 und ich hoffe, dass meine jetzigen und künftigen Gäste angesteckt werden vom...

Alles hat in dieser schwierigen Zeit auch sein Gutes: In der Langen Straße wird ein Haus kurzfristig abgerissen... nein, nicht die “32”, aber eines in geringer Entfernung. Das passiert weder geräuschlos noch staubwolkenfrei. Da momentan aber keine Gäste bei uns urlauben (dürfen), werden sie dadurch auch nicht belästigt und 2021 ist dieses Bau-Unterfangen hoffentlich Geschichte. Prima. Aber noch leben wir das Jahr 2020, d.h. Absagen sämtlicher öffentlicher Veranstaltungen in hiesiger...

… und zwar notgedrungen der aus den Fugen geratenen Welt. Da kann die kleinste Stadt Deutschlands keine Ausnahme machen, obwohl die Hiesigen als Sturköppe bekannt sind. Tja, was schreibe ich meinen Gästen? Wie wahnsinnig leid es mir tut, dass alle Planungen die Schlei 'runter gehen? Dass tolle, erwartungsvolle neue, aber auch Wieder-Begegnungen nicht sein dürfen? Das ist schon sehr traurig... aber der Monat März, bekannt als Aufbruchstimmung in den Sommer, soll jetzt im depressiven...

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